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Rudern gegen Krebs

Neuruppin – 07.09.2013

84 Ruderteams haben sich am Samstag auf den Ruppiner See begeben. Ihr Ziel waren keine Medaillen oder Siege, sondern sie ruderten für den guten Zweck um die Wette. Bei der Benefizregatta „Rudern gegen Krebs“ wird ein Teil der Teilnahmegebühr zum Kampf gegen Krebs gespendet. In Neuruppin schauten sich 1000 Zuschauer den Wettkampf auf dem Wasser an.

„Wir hatten schon mit vielen Zuschauern gerechnet“, sagte Mitorganisatorin Antje Schulz. „Aber das so viele gekommen sind, das war schon klasse.“ Die Volksfest-Atmosphäre der Veranstaltung schien auch die Vereinschefin des Neuruppiner Ruderclubs selbst zu beflügeln: Gemeinsam mit drei Mitstreiterinnen von der Bootswerft Berlin siegte Schulz im Frauen-Finale. Und das in einer Zeit von 1:39.31 Minuten. Mit diesem Wert hätte das Damenquartett auch locker im A-Finale der Männer mithalten können.

Doch damit nicht genug: Mit der Fabelzeit von 1:29.68 Minuten im zweiten Vorlauf erzielten diese Frauen das zweitbeste Tagesergebnis aller 84 teilnehmenden Mannschaften. Lediglich das Goldteam der Männer, der Rudervierer „Talent II“ von Bombardier aus Hennigsdorf, war noch schneller unterwegs und sicherte sich damit den Siegerpokal im A-Finale.

Roman Müller, Vize-Verkaufs-chef von Bombardier, freute sich aber nicht nur über den ersten Platz „seiner“ Jungs. „Die Regatta verbindet gleich drei positive Aspekte miteinander“, so Müller. „Es kommt Geld für wohltätige Zwecke zusammen, die Leute hier haben Spaß, indem sie teilnehmen oder die Teilnehmer anfeuern. Und drittens zeigen wir mit dieser Regatta, dass Krebs nichts ist, für das man sich schämen muss“, sagt der 59-Jährige stolz.

Schämen musste sich am Sonnabend überhaupt keiner. Auch nicht die Teilnehmer, die auf dem Wasser nicht ganz so schnell unterwegs waren. „Wir wollten einfach nur dabei sein und Spaß haben“, so Sven Bachert vom Neuruppiner Hospiz Wegwarte. „Auch wenn wir etwas weiter hinten gelandet sind – ?den Spaß hatten wir trotzdem.“ Deshalb will das Team, dass mit 2:09.70 Minuten am Ende auf Platz 48 landete, im nächsten Jahr wieder mitmachen.

Dies gilt auch für Victor Röstel. Der zwölfjährige Schüler von der Neuruppiner Montessorischule eroberte mit seinem Team den Bronzeplatz im Rennen der Grundschulen. Auf dem Treppchen kannte seine Freude anschließend keine Grenzen. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir das schaffen. Aber das Team war echt gut“, sprudelte es aus dem Jungen förmlich heraus. Besonders angetan war er auch von der Stimmung unter den Zuschauern und den Ruderern. „Das Publikum hat wirklich jedes Team angefeuert. Die Mannschaften haben sich gegenseitig unterstützt, auch wenn sie auf dem Wasser Gegner waren. Das war schon einmalig.“

Das Neuruppiner Patiententeam „Ruderkrebse I“ bewies ebenfalls eindrucksvoll, dass nicht immer der erste Platz nötig ist, um sich zu freuen. „Das Publikum, die Atmosphäre, alles war spitzenmäßig“, so der launige Kommentar von Angela Ohm. Die 51-Jährige legte stimmungsmäßig nach: „Das Tolle ist, dass es hier keine Konkurrenz gibt. Jeder will einfach nur dabei sein, und jeder motiviert den anderen. Darauf kommt es an“, so Ohm. Ihre Mitstreiterin Doris Rogge freute sich aber dennoch über den dritten Platz für das Team. „Es wird von Jahr zu Jahr besser. Wenn die Gesundheit es zulässt, sind wir im nächsten Jahr wieder mit dabei.“

Darüber würde sich auch Kerstin Stoytchin freuen. Die Mitorganisatorin der Vorjahre, die aufgrund ihrer eigenen Krebserkrankung in diesem Jahr bei der Organisation etwas kürzer treten musste, freute sich über den gelungenen Tag. „So eine Stimmung und so ein Wetter, das ist das Non-Plus-Ultra. So könnte es jedes Jahr sein.“ So war es auch kein Wunder, dass die Teilnehmer und die Zuschauer den ganzen Tag mit der Sonne um die Wette strahlten.

Von Odin Tietsche (MAZ)

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